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Das Opferlamm Wenn man in früheren Zeiten ein Haus errichten wollte, war es in manchen Ländern der Brauch, das Fundament mit dem Blut eines Lammes zu begießen, damit das Haus fest und geschützt sei. Das geschah, um alle daran zu erinnern, dass vor der Schöpfung der Welt das Opfer eines Lammes oder eines Lebewesens notwendig war, um dieser Schöpfung feste Grundlagen zu geben. Christus ist das göttliche Lamm, der Geist der Liebe, der anzieht, näher bringt und unterstützt. Die Liebe wurde als Basis der Schöpfung und des Universums eingesetzt. Sie hat sich hingegeben, sich geopfert, sie hat die Materie des gesamten Weltengebäudes durchtränkt. Sie ist die Verbindung, der Zement, der verhindert, dass sich das Universum auflöst. Überall, in den Steinen, in den Sternen stützt diese Liebe das Gerüst. Wenn die Liebe verschwindet, beginnt sich unser Körper zu zersetzen. Die Liebe vereinigt alle Zellen der Schöpfung. Entfernt die Liebe und alles beginnt sich aufzulösen, der Tod tritt ein. Die Liebe ist das große Geheimnis des Universums. Ebenso wie das Lamm sich opfern musste, müssen sich auch die Menschen opfern. Und deshalb sagen die Eingeweihten: »Bringt euren Körper und euer Herz als Opfer für Gott dar.« Doch man hat das Opfer und seine wahre Bedeutung noch nicht verstanden. Das Opfer ist die höchste, edelste, göttlichste Ausdrucksform. Ihr werdet nirgends im Universum eine Handlung finden, die das Opfer übertrifft. Es ist, wenn ihr so wollt, das Omega, der letzte Buchstabe – es gibt keinen anderen dafür. Und Christus ist gekommen, um diesen letzten Buchstaben auszusprechen: das Opfer. Das Opfer bleibt für alle Ewigkeit die erhabenste Handlung. Man versteht nicht immer, was Opfer bedeutet. Wie oft hört ihr die Leute sagen: »Ich habe mich aufgeopfert!« Doch handelte es sich dabei wirklich um ein Opfer? Es gibt ein Kriterium, das es uns ermöglicht, dies zu beurteilen. Doch wir können es vorerst nur für uns selbst beurteilen, nicht für die anderen. Denn wenn wir nicht mindestens Meister oder Hellseher sind, können wir bezüglich der anderen nicht wissen, ob ihre Handlung ein reines Opfer ist oder ob sich ein egoistisches, fremdes Element darunter mischt. Das Opfer ist eine völlig uneigennützige Geste oder Bewegung, ein völlig uneigennütziger Gedanke oder ein ebensolches Gefühl. Diejenigen, die sich genau analysieren wollen, um zu sehen, ob sie schon fähig sind, die Opfer zu verstehen, werden mit Bedauern feststellen, dass es oft die Berechnungen der niederen Natur sind, die sich mit hineingeschlichen haben. Und eben genau derer müssen wir uns entledigen, denn die wahre Entwicklung beginnt für den Menschen erst an dem Tag, an dem es ihm gelingt, auf unpersönliche und uneigennützige Weise zu handeln, an dem Tag, an dem seine Individualität begonnen hat, seine Personalität zu verspeisen. |
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