Archive for Juni, 2009

30. Juni 2009

Die wahre Freude hat nichts Sichtbares oder Greifbares zur Ursache, es ist eine grundlose Freude, die euch einzig das Gefühl gibt, als Seele und Geist zu existieren. Anstatt also zu erwarten, dass ihr etwas oder jemanden besitzen könnt, um euch daran zu freuen, solltet ihr das Gegenteil tun: Freut euch an der schlichten Existenz der Wesen und Dinge, denn in der so erlebten Freude habt ihr das Gefühl, dass sie euch gehören. Nur das, was euch Freude bringt, gehört euch wirklich, während das, was euch gehört, euch nicht notwendigerweise viel Freude schenkt.
Alles, was euch freut, besitzt ihr, und zwar viel besser als wenn ihr der Besitzer wärt. Wie viel Freude könnt ihr angesichts der Schönheit der Natur, eines Sonnenaufgangs oder eines Sternenhimmels empfinden! Dabei gehören sie euch nicht materiell. Das Wichtigste ist also nicht der Besitz, sondern die Fähigkeit, sich zu freuen.

29. Juni 2009

Der schöpferische Instinkt ist in jedem menschlichen Wesen tief verwurzelt. Aber wenn es nicht die Fähigkeiten entwickelt hat, die ihm erlauben, mit den höheren Welten in Kontakt zu treten, sind seine Werke nur Kopien, Reproduktionen und keine wirklichen Schöpfungen. Genau wie Mütter und Väter ihre eigenen Schwächen und Mängel bei ihren Kindern reproduzieren: Sie nennen es vielleicht Schöpfung, aber in Wirklichkeit ist es nur eine Reproduktion!
Wahres schöpferisches Schaffen wendet sich an Elemente von spiritueller Natur. Der Künstler, der schöpferisch sein möchte, muss sich selbst übertreffen und überflügeln; das heißt, er muss sich durch Gebet, Meditation und Kontemplation zu den himmlischen Regionen aufschwingen, um dort Elemente zu empfangen, die er für seine Arbeit verwenden kann. Unter dieser Bedingung werden seine Werke Bestandteile besitzen, die die gewöhnliche Bewusstseinsebene übertreffen und sie werden wirklich die Bezeichnung »schöpferisches Werk« verdienen.

28. Juni 2009

Was immer auch geschieht, vergesst nie, dass die Menschen eure Brüder und Schwestern sind und überlegt euch, wie ihr ihnen helfen und eure Liebe zeigen könnt, ohne etwas dafür zu erwarten. In Wirklichkeit habt ihr die Belohnung nämlich bereits: diese innere Freude, diese Wärme, die euch erfüllt, wenn ihr liebt. Das ist eine große Belohnung, es gibt im Leben keine größere. Euer Herz ist dann wie ein Fluss, wie eine Quelle lebendigen Wassers.
Die Menschen erwarten immer, für das Gute, das sie tun, belohnt zu werden. Wer jedoch das Geheimnis der Liebe begriffen hat, wartet nicht, er denkt nicht einmal daran, dass man ihm etwas zurückgeben könnte, weil er bereits ein unvorstellbar großes Glück kostet. Weil es ihm an nichts fehlt, erwartet er auch nichts; er schwimmt in der Freude, er strahlt und gewinnt so das Vertrauen vieler Freunde. Wo findet ihr eine größere Belohnung als diese?

27. Juni 2009

Sagt nie: »Ich kenne diese Frage, ich habe nichts Neues mehr zu lernen und zu verstehen!« Denn das ist die schlimmste Haltung für eure Entwicklung; wenn ihr so denkt, stagniert ihr, das ist alles. Die richtige Haltung wäre, sich jeden Tag zu sagen: »Ah! Heute beginne ich endlich zu verstehen! Gestern war mir das noch nicht recht klar.« Und dabei wisst ihr, dass ihr am folgenden Tag genau die gleiche Feststellung machen werdet.
Wie viele Leute glauben zum Beispiel zu wissen, was die Liebe ist! In Wirklichkeit kennen sie gerade einmal die ersten Grade, die ersten Manifestationen der Liebe, aber sie bilden sich ein, sie zu kennen! Deswegen stehen sie stagnierend, finster und enttäuscht da. Die Liebe hat Abermillionen Grade und jeden Tag solltet ihr einige von ihnen durchlaufen und euch sagen: »Mein Gott, gestern glaubte ich noch zu wissen, was die Liebe ist, aber heute bemerke ich, dass ich sie nicht kannte. Jetzt endlich beginne ich, sie kennenzulernen«…und am nächsten Tag sagt ihr euch das Gleiche.

26. Juni 2009

Was das Wichtigste für euch sein sollte, ist die Richtung, die ihr einschlagt, das Ideal, für das ihr lebt und arbeitet. Wenn ihr für eine göttliche Idee arbeitet, so wird sie euch zum Licht, zum Frieden und zur Freude führen.
Aber lehrt man die Menschen, wie viele Wohltaten sie erfahren, wenn sie für eine göttliche Idee arbeiten? Nein, man bringt ihnen bei, wie sie Geld verdienen und ihren Ehrgeiz sowie ihre Vergnügungssucht befriedigen können. Damit verbringen sie Jahre über Jahre und eines Tages entdecken sie, dass das, was sie gelebt haben, gar nicht das wahre Leben war. Aber dann ist es schon ein wenig spät für diese Entdeckung. Wie viel Zeit haben sie verloren! Hingegen für jemanden, der vorangeht und dabei eine göttliche Idee in seinem Kopf und in seinem Herzen nährt, für den ist diese Idee wie ein Licht, das ihm gleichzeitig sein Ziel zeigt und seinen Weg erhellt. Trotz aller Schwierigkeiten fühlt er eines Tages, dass er in seiner himmlischen Heimat aufgenommen ist.

25. Juni 2009

Das Christentum definiert die Heilige Dreieinigkeit als das Mysterium eines einzigen Gottes in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Aber man kann leicht Licht in dieses Mysterium bringen, wenn man sich an die Sonne wendet. Schaut, die Sonne ist diese wunderbare Macht, welche Leben erschafft und sich durch Licht und Wärme manifestiert; wer fähig ist, diese Offenbarungen zu ergründen, der wird die Verbindungen entdecken, die zwischen dem Leben, dem Licht und der Wärme der Sonne und den drei Personen der Heiligen Dreieinigkeit bestehen. Auf allen Schöpfungsstufen, von der physischen bis zur göttlichen Ebene findet man die drei Prinzipien wieder: Leben, Licht und Wärme. Auf der spirituellen Ebene offenbart sich das Leben als Weisheit (Licht) und als Liebe (Wärme). Die drei Prinzipien – Leben, Weisheit und Liebe – sind Emanationen der göttlichen Dreieinigkeit, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, die ebenso wenig voneinander zu trennen sind, wie man das Leben, das Licht und die Wärme der Sonne voneinander trennen kann.
Ihr seht, es ist nicht so schwierig, das Mysterium eines einzigen Gottes in drei Personen zu erhellen. Was geheimnisvoll bleibt, ist nur die unendliche Größe und Herrlichkeit dieser Uressenz, aus der alles Leben hervorgegangen ist.

24. Juni 2009

Geld ist natürlich wichtig, aber sobald ihr genug habt, um davon zu leben, ist es besser, es zu einer nur sehr zweitrangigen Beschäftigung zu machen, weil ihr ihm sonst das Beste eurer selbst opfern müsst. Denn angenommen es gelänge euch, ein Vermögen anzuhäufen, was hättet ihr davon, wenn eure Sensibilität dabei stumpf geworden ist? Ihr könntet nicht einmal die Vorteile eures Reichtums auskosten, weil ihr nichts mehr fühlen würdet. Ihr hättet alles, was ihr wollt, aber ihr wärt unglücklich, weil ihr in euch das zerstört hättet, was allen Erlebnissen den köstlichsten Geschmack verleiht. Das ist wahres Unglück: Wenn man die Möglichkeit hat, alles zu bekommen und zu besitzen, aber dabei keinerlei Freude empfindet!
Wenn ihr also zwischen den beiden folgenden Situationen zu wählen habt: Entweder alles zu besitzen, aber ohne die Fähigkeit es zu schätzen, oder im Gegenteil sehr wenig zu besitzen, aber den »Geschmack an den Dingen« zu behalten, dann solltet ihr den Geschmack wählen, weil euch damit auch die kleinste Sache Freude bereitet.

23. Juni 2009

Ein Mann hält sich für einen Asketen und erklärt: »Ich fühle mich stark. Die Frauen werden mich trotz ihrer Schliche nicht verführen können.« Aber erst wenn er sich einige Zeit in Gesellschaft hübscher junger Mädchen befindet, wird man sehen, was er wirklich tut. Andere behaupten von sich, sie seien ehrlich und gut; gebt ihr ihnen jedoch viel Geld in die Hände oder verschafft ihr ihnen viel Macht, werden sie dies dann auch gewiss nicht ausnützen, um sich in unehrlicher Weise zu bereichern oder um einige Leute zu enthaupten? Wer wirklich stark ist, der wird seine Stärke gerade in den Situationen, in denen er den Versuchungen am meisten ausgesetzt ist, zeigen und dass er dadurch noch stärker, erleuchteter und edler wird. Diese Situationen sind wie Prüfungen, sie erschüttern ihn nicht, sondern erlauben ihm, ungeahnte Kräfte in sich zu entdecken.
Solange ein Mensch keine Beweise erbracht hat, kann man ihn nicht wirklich kennen und er selbst kennt sich übrigens auch nicht. Erst hinterher kennt er sich und ist sich seiner Stärke oder seiner Schwäche bewusst geworden.

22. Juni 2009

Jesus sagte: »Ich bin das Licht der Welt« (Jh 8,12). Aber in der Bergpredigt sagte er auch zu all denen, die ihm folgten: »Ihr seid das Licht der Welt«. Was er für sich sagte, sagte er also auch für uns. Das Licht, das ist das himmlische Feuer und wenn es uns gelingt, ausgehend von dem in uns wohnenden Geistfunken nach und nach unser ganzes Wesen zu erleuchten, dann besitzen wir die gleichen Fähigkeiten und bringen die gleichen Segnungen wie das Licht. Es nützt nichts, sich als Christ und als Jünger Christi zu bezeichnen, wenn man nicht daran arbeitet, das zu verwirklichen, was Jesus selbst verwirklicht hat, um sagen zu können: »Ich bin das Licht der Welt.«
Nun kann natürlich jeder von sich behaupten: »Ich bin das Licht der Welt«. Wenn man aber nicht vorher die Arbeit getan hat, die einen dieser Worte würdig macht, setzt man sich großen Gefahren aus. Ja, viele von denen, die man als verrückt bezeichnet, haben zweifellos eine intuitive Ahnung von ihrer wahren göttlichen Natur. Es genügt aber nicht, diese Ahnung zu haben und sie zu verkünden, man muss versuchen, sie Realität werden zu lassen, und währenddessen demütig bleiben und arbeiten.

21. Juni 2009

Die Gedanken des Menschen sind Tag und Nacht aktiv und bleiben nie stehen. Nur ist es leider so, dass er dieses außergewöhnliche Instrument nicht zu benutzen weiß; und weil er es nicht zu benutzen weiß, bringen ihm seine Gedanken nicht viel und werden obendrein für ihn noch zu einem weiteren Mittel, sich zu quälen und zu zerstören.
Die Gedanken sind eine Kraft, eine Macht, ein Werkzeug, das der Herr uns gegeben hat, um uns zu ermöglichen, so wie Er zu Schöpfern, aber zu Schöpfern in der Schönheit, im Licht und in der Vollkommenheit, zu werden. Durch die Gedanken können wir mit Regionen, mit Stoffen, Quintessenzen und Geschöpfen in Kontakt treten, sowohl in der göttlichen als auch in der höllischen Welt. Es ist deshalb so wichtig, sich der schöpferischen Macht der Gedanken bewusst zu werden, damit wir nicht in den Sümpfen herumwaten, sondern zu Arbeitern im Felde des Herrn werden.