Archive for Dezember, 2008

31. Dezember 2008

In ein paar Stunden ist das neue Jahr da und wenn ihr morgen über heute redet sagt ihr schon: »letztes Jahr«. Bis zur dreiundzwanzigsten Stunde, neunundfünfzigsten Minute und neunundfünfzigsten Sekunde ist es noch »dieses Jahr«, aber mit dem Glockenschlag um Mitternacht wird das neue Jahr beginnen. Eine Sekunde, eine einzige Sekunde, trennt das eine vom anderen Jahr! Aber man muss bis zu dieser letzten Sekunde ausharren. Man muss alle Tage eines Jahres, einen nach dem anderen durchlaufen, um bis zu dieser letzten Sekunde zu gelangen.
Nun, ihr solltet wissen, dass die geistige Verwandlung des Menschen in dieser Weise vor sich geht. In einem Augenblick ist er völlig erneuert und regeneriert. Bevor er aber zu diesem letzten Augenblick gelangen konnte, brauchte es jahrhundertelanger Anstrengungen. Genau wie bei dem vergangenen Jahr wird man über die Zeitspanne, die diesem Augenblick der Erneuerung vorausging sagen: »Das war das alte Leben«; und genauso wie beim neuen Jahr wird man über die beginnende Zeitspanne sagen: »Das ist das neue Leben«. Wie lange man warten muss bis zu dieser letzten Sekunde? Macht euch darüber keine Gedanken, sie wird für jeden kommen. Seid also geduldig. Man muss warten können, aber man muss dabei arbeiten.

30. Dezember 2008

Zwei Personen begegnen sich: »Wie geht’s?« »Danke gut!« Wenn sie sich gut genug kennen, umarmen sie sich, aus Gewohnheit und rein mechanisch. Dann gehen sie wieder ihrer Wege, weil sie in Eile sind und sie erinnern sich schon gar nicht mehr daran, dass sie einander umarmt haben. Sie finden daran nichts Unnormales, alles in Eile und unbewusst zu tun, sogar sich zu umarmen und danach sind sie erstaunt, dass die Beziehungen mit denen, die sie doch als ihre Freunde bezeichnen, ihnen nicht viel bringen.
Ihr begegnet jemandem. Übrigens ist es nicht so wichtig, euch zu küssen oder zu umarmen. Aber wenn ihr es tut und auch, wenn ihr es nicht tut, so legt wenigstens einige Sekunden lang eure Gedanken und eure Seele in diese Begegnung. Dann bleibt ein Duft, ein Geschmack davon erhalten, der euch noch lange begleiten wird.

29. Dezember 2008

Lernt, jeden Tag ein ideales Bild eurer selbst zu erschaffen, denn dieses Bild wird euch bei eurer geistigen Arbeit helfen. Natürlich sollt ihr euch deshalb nicht einbilden, bereits ein vollkommenes Wesen zu sein und noch viel weniger erwarten, dass die anderen euch als solches betrachten, sonst erntet ihr von ihnen Spott und Feindseligkeit. Sie würden sagen: »Für wen hält sich der bloß? Der wird verrückt!« Und damit hätten sie dann gar nicht so Unrecht.
Also, verhaltet euch den anderen gegenüber weiterhin ganz einfach und natürlich, egal, was für eine innere Arbeit ihr unternommen habt. Stellt euch vor, dass ihr weise, lichtvoll und strahlend seid. Stellt euch vor, dass ihr den Willen Gottes erfüllt, dass es euch gelingt, euch so wiederzufinden, wie ihr in der fernen Vergangenheit, in der Unschuld und Herrlichkeit des Paradieses wart und wie ihr in der Zukunft wieder sein werdet, nämlich vollkommen. Erinnert euch aber gleichzeitig daran, dass es noch nicht eingetreten ist!

28. Dezember 2008

Obwohl sie sehr gut wissen, was das ist, hören die Menschen doch nie auf, sich für die Liebe zu interessieren. Warum? Weil hier nicht die intellektuelle Seite zählt: Selbst wenn sie alles über die Liebe kennen, kann diese Kenntnis ihnen nicht genügen. Es zählt nur das Gefühl, deswegen ist das Bedürfnis, Liebe zu verspüren, unendlich. Ihr könnt alles über die Liebe wissen, ohne je des Gefühls der Liebe überdrüssig zu werden. Es ist möglich, dass alle anderen Themen euch schließlich eines Tages langweilen, die Liebe macht als Einzige eine Ausnahme.
Nehmt jedes beliebige andere Thema im Leben: Sobald ihr es gut kennt, ist es vorbei, ihr werdet euch nicht ewig darum kümmern; ihr habt es studiert und lasst es dann beiseite. Aber für die Liebe werdet ihr euch immer weiter interessieren, weil sie keine Angelegenheit des Verstandes ist: Ob ihr sie kennt oder nicht, ihr habt das Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden. Das ist es, was die Liebe ewig macht.

27. Dezember 2008

Wenn wir das Bedürfnis haben, mit der Universalseele zu verschmelzen, betrachten wir die Weiten des Meeres oder die Vielzahl der Sterne im unendlichen Himmel. Würden wir aber in diesem Zustand der Ausdehnung, der Streuung verharren, könnten wir auf der Erde nichts verwirklichen; um zu handeln, muss man das Gesetz der Kondensation, der Konzentration benutzen. Wir brauchen die großen Weiten des Himmels oder des Meeres, um uns zu erweitern, aber dann brauchen wir einen ganz kleinen Raum, um uns zu konzentrieren und Kräfte zu sammeln.
Konzentration und Ausdehnung entsprechen zwei Tierkreiszeichen: dem Steinbock und dem Löwen. Der Löwe ist ein nach außen gerichtetes Zeichen: Er strahlt und verströmt. Der Steinbock dagegen geht nach innen: Er kondensiert und sammelt. Unter seinem Einfluss im Dezember und Januar, konzentriert die Erde die Energien in den Wurzeln der Bäume, um die Explosion der Monate Juli und August vorzubereiten: die Fülle der Früchte unter dem Einfluss des Löwen.

26. Dezember 2008

Während der neun Monate, die es im Leib der Mutter verbringt, ist das Kind mit ihr durch die Nabelschnur verbunden, es führt also ein abhängiges Leben, in dem seine Mutter für es isst und atmet. In gleicher Weise atmen, essen und denken andere Wesen an unserer Stelle, solange wir nicht auf der geistigen Ebene geboren sind – was die christliche Tradition die zweite Geburt nennt.
Der Mensch kommt aus dem Leib seiner Mutter heraus, aber er lebt weiterhin im Leib einer anderen Mutter, der Natur. Eines Tages wird er auch diese Nabelschnur durchschneiden müssen, um unabhängig zu werden. In Wirklichkeit wird er auch dann noch nicht die völlige Unabhängigkeit erreicht haben, er wird noch weitere Nabelschnüre zu durchschneiden haben… bis zu dem Tag, an dem er frei wird wie der Herr. Aber dieser Tag ist noch ziemlich weit weg und bis dahin muss er mit seiner Mutter Natur verbunden bleiben. Selbst wenn er höhere Regionen erreicht hat, wird es immer noch die Natur sein und es wird immer noch Nabelschnüre zu durchtrennen geben.

25. Dezember 2008

Wie der Raum hat auch die Zeit vier Kardinalpunkte, die im Jahreslauf die beiden Tagundnachtgleichen und die Sonnwenden darstellen.
Am 21. Dezember ist die Wintersonnwende, der Erzengel Gabriel vorsteht. Und der 25. Dezember, das Weihnachtsfest, feiert eine Geburt, das heißt eine Konkretisierung, einen Abstieg in die Materie. Erzengel Gabriel lenkt jene Kräfte, deren Eigenschaft es ist, die Materie zu verdichten. Deshalb ist er im Sephirothbaum der Erzengel Jesods, der Region des Mondes. Im Unterschied zur Sonne, die erweitert, ausstreut und verteilt, komprimiert der Mond, er kondensiert und zieht zusammen; würde er nicht von anderen Einflüssen behindert, würde er sämtliches Leben der Pflanzen, Tiere und Menschen versteinern.
Die in dieser Wissenschaft unterrichteten Eingeweihten, versuchen diese Phase der Wintersonnwende zu benutzen, um ihre Ideen und Projekte zu konkretisieren, denn das ist der Moment, an dem auf der Erde eine Geburt stattfindet. Die anderen Kardinalpunkte entsprechen anderen Vorgängen: Ostern entspricht einer Wiedergeburt, Johanni dem Entfachen eines Feuers und das Michaelsfest einer Entsagung. Das Weihnachtsfest aber ist mit einer Inkarnation verbunden, deshalb wurde die Geburt Christi, in der Person Jesu, von der Tradition in den Winter gelegt.

24. Dezember 2008

Die wahre Entwicklung ist ein kontinuierlicher Aufstieg. Aber im Laufe dieses Aufstieges wird jeder unweigerlich Höhen und Tiefen, Anstiege und Abstiege erleben; das muss man wissen, um den Mut nicht zu verlieren und um ausdauernd zu bleiben. Eines Tages wird es mehr Aufstiege als Abstiege geben und Gott wird seinen Kindern, die ihre Fehler einsehen und zu korrigieren beschließen, wie ein liebender Vater verzeihen.
Es ist unmöglich, sich ohne jegliche Schwäche zu erheben. Das Wesentliche ist, dass man den Weg nach oben eingeschlagen hat, den Weg der Liebe und der Weisheit, der zur Wahrheit führt. Es ist nicht so schlimm, wenn es vorkommt, dass ihr auf diesem Weg rückwärts geht. Wesentlich ist, dass ihr die gleiche Ausrichtung beibehaltet, dass ihr das gleiche Ziel, das gleiche Ideal in euch gegenwärtig haltet, dass euer Blick immer auf den zu erreichenden Gipfel gerichtet bleibt.

23. Dezember 2008

Das Wunderbare ist ein Bedürfnis der menschlichen Seele und das, was man das Unwirkliche nennt, ist in Wahrheit völlig real, es ist wirklicher als das, was wir gewöhnlich als die Wirklichkeit bezeichnen. Warum? Weil dort nicht nur alles lebendig ist, sondern sich auch bewegt und sprechen kann: die Felsen, die Blumen, die Bäume, die Tiere… Und die Naturkräfte handeln voller Intelligenz. Vor allem aber werden hinter der scheinbaren Einfältigkeit dieser Märchen, Wirklichkeiten unseres inneren Lebens beschrieben.
Wenn das Unwirkliche, das Feenhafte, das Feinstoffliche unter bestimmten, ganz besonderen Umständen in unser Leben eintritt, dann fühlen wir uns wie ein Baum, der einst aus seiner Erde herausgerissen und irgendwo in eine feindliche Umwelt hineingepflanzt worden war, und nun plötzlich seinen heimatlichen Wald wiederfindet, in dem er aufs Neue Wurzeln schlagen und aufleben kann.

22. Dezember 2008

Die Einweihung ist ein Sieg über die vier Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer. Aber heutzutage geschieht die Einweihung nicht mehr in den Tempeln, sondern im täglichen Leben. Denn die vier Elemente sind im täglichen Leben anwesend und ihr müsst ihnen dort entgegentreten, indem ihr zeigt, dass ihr die Angst, die Begehrlichkeit, den Egoismus, die Sinnlichkeit usw. überwunden habt. Oft versagt ihr wegen einer Kleinigkeit, weil ihr große Prüfungen erwartet hattet: Ihr habt das kleine Problem, das vor euch auftauchte, übersehen und seid gestrauchelt.
Wenn man vorgewarnt ist und weiß, dass man großen Schwierigkeiten gegenübertreten muss, ist man besser gewappnet und widerstandsfähiger, weil man darauf gefasst ist. Aber wenn man überrascht wird, kann man beim kleinsten Hindernis umfallen. Es ist also an euch, immer aufmerksam und wach zu bleiben, weil ihr wisst, dass jeder beliebige Umstand eures Lebens für euch zu einer Einweihungsprüfung werden kann.