Im Unterschied zum Baum, dessen Aktivität eine Periodizität aufweist, ist der Fluss ständig am Strömen, obwohl niemals dasselbe Wasser in ihm fließt. Dass es da Ausnahmen gibt, Bäume, die nie ihre Blätter verlieren oder Flüsse, die austrocknen, überfließen oder das Flussbett wechseln, ist eine andere Frage; ich spreche hier ganz allgemein von dem Baum und von dem Fluss als Symbole für unsere inneren Zustände. Symbolisch stellt der Baum den einen und der Fluss den anderen Prozess dar.
Nehmen wir das Beispiel der Liebe. In einem bestimmten Moment ihres Lebens nähern sich alle Menschen einem anderen Menschen; man sagt, sie lieben einander und dank dieser Liebe produzieren sie Blüten und Früchte. Doch was geschieht dann? Sehr oft entfernen sie sich schlussendlich wieder voneinander, sie werden ablehnend und gleichen dann nackten, unfruchtbaren Bäumen, die auf einen neuen Frühling – auf eine neue Liebe – warten müssen, um wieder zu grünen, zu blühen und Früchte zu tragen. Doch dies ist die Liebe der gewöhnlichen Wesen. Bei den entwickelten Wesen, den Eingeweihten, offenbart sich die Liebe wie ein niemals versiegender Fluss; alle Geschöpfe, die an seinen Ufern leben, stillen hier ihren Durst.
Archive for April, 2008
Der Spiritualist darf die Materie nicht verachten, sondern er soll in sie herabsteigen, um sie zu beleben und zu organisieren. Und mit »Materie« ist hier auch der physische Körper gemeint. Wenn wir ihn vernachlässigen, unter dem Vorwand, uns den edlen Funktionen des Verstandes, des Geistes zu widmen, wird es auch mit diesen Funktionen schließlich bergab gehen.
Man darf den physischen Körper nicht in den Zustand eines verlassenen Hauses bringen, das am Ende nur noch von Insekten und Nachtvögeln bewohnt wird. Sein Besitzer muss sich im Gegenteil oft darum kümmern, ihn zu säubern, zu beleben und instandzuhalten. Wenn man mit dieser Absicht in die Materie herabsteigt, ist dies niemals ein Absturz. Man muss eben gerade Abstieg und Absturz gut voneinander unterscheiden lernen. In die Materie herabsteigen ist eine Sache, in sie herabstürzen eine andere. Wir müssen in die Materie herabsteigen mit der Absicht, sie zu beleben und zu erleuchten, damit aus unserem Körper die Wohnstätte des lebendigen Gottes werde.
Ein Krieg bricht aus, und noch einer und dann noch ein anderer, an den verschiedensten Orten der Welt und alle klagen und fragen sich, warum diese Kriege sein müssen. Ganz einfach, weil die Menschen nicht wissen, wie sie von den guten Bedingungen, die der Friede ihnen bietet, profitieren können. Es braucht ein großes Wissen, um herauszufinden, womit man sich in friedlichen Zeiten beschäftigen soll.
Aber in Wahrheit führen die Menschen auch in Friedenszeiten weiterhin Krieg; in allen Bereichen treffen sie ständig aufeinander: In der Politik, im Handel, bei den Finanzen, in der Religion und auch in der Familie gibt es Fronten und regelrechte Schlachtfelder. Da ist es nicht verwunderlich, wenn anschließend überall bewaffnete Konflikte ausbrechen, die so viel Leid bewirken! Und dann fleht man den Herrn an, Er möge diese Kriege beenden und den Frieden bringen. Aber sagt mir doch einmal, was der Herr damit zu tun hat. Die Menschen muss man bitten, in sich selbst die Mittel zu finden, um Frieden zu schaffen.
Wenn man beginnt, ernsthaft eine spirituelle Lehre zu studieren, zu meditieren und zu beten, dann sieht man die Wirklichkeit in einem anderen Licht, weil es einem gelingt, mehr Abstand zu wahren. Man ist nicht nur weniger von den Schwächen und Mängeln der anderen besessen, sondern man entdeckt bei ihnen auch Qualitäten, die man zuvor nie bemerkt hatte.
Das Paradies auf Erden gibt es nicht und ihr werdet überall, wo ihr hingeht, auch an dem besten Ort, unvollkommene Menschen vorfinden und Grund zum Klagen haben. Wenn ihr nur das sehen wollt, findet ihr natürlich jeden Tag etwas, um euch zu ärgern und um zu leiden. Ja, aber das Wesensmerkmal des Menschen ist seine Fähigkeit, nie den Umständen unterworfen zu bleiben. Sein inneres Leben ist ein weiter Raum, den er ständig gestalten kann.
Da wir nun einmal auf die Erde herabgekommen sind, müssen wir zwangsläufig ihre Gesetze ertragen, indem wir die besten Möglichkeiten suchen, um uns zu offenbaren. Niemand kann den Gesetzen der Erde entkommen.
Ihr sagt: »Und was ist mit den sehr weit entwickelten Wesen, den Eingeweihten und großen Meistern?« Auch sie nicht. Sie kommen mit den Düften des Himmels durchtränkt hier an, aber die Erde ist eine völlig andere Welt. Oben in den feinstofflichen Ebenen ist die Materie gehorsam, formbar, sie unterwirft sich den kleinsten Gedanken und Wünschen. Aber die Materie, in der wir hier leben, leistet den größten Widerstand. Indem sie uns auf die Erde herabkommen ließ, auf der wir immer Prüfungen zu bestehen haben, gibt uns die kosmische Intelligenz die Möglichkeit, uns hier, in der Materie zu entfalten. Denn die Hindernisse und Prüfungen sind auch Materie, eine Form von Materie.
Nichts in der Welt ist bedeutsamer, als die Begegnung der beiden Prinzipien Männlich und Weiblich. Weder Männer noch Frauen können daran zweifeln, dass die beiden Prinzipien, die sie darstellen, mächtig und wirksam sind, und dass sie sich gegenseitig beeinflussen, mit dem Ziel, etwas zu erschaffen. Was sie jedoch nicht wissen, ist, welche Haltung sie haben sollten und in welcher Weise sie sich betrachten sollten, um in Harmonie, Schönheit und Fülle zu leben, anstatt ständig Unordnungen, Enttäuschungen und Tragödien zu provozieren.
Das gesamte Universum ist in Bewegung dank der Kräfte, die von den beiden Prinzipien Männlich und Weiblich, ausgehen, wenn sie zusammengebracht werden. Werden diese Kräfte richtig gelenkt, so können sie derart mächtige Lichtstrahlen aussenden, dass dadurch Phänomene von kosmischer Bedeutung entstehen.
Wer hat noch nicht von den unendlichen Kämpfen gehört, die ein Raucher oder Alkoholiker austragen muss, wenn er sich von seinen unseligen Gewohnheiten befreien will? Warum dieser Kampf? Weil die Gewohnheiten Verbindungen sind, die man mit den Zellen, diesen lebendigen Wesen, geschaffen hat und es ist schwierig, diese Verbindung zu durchtrennen – sie akzeptieren das nicht. Das ist genauso als wolle man sich von einem Mann oder von einer Frau scheiden lassen, der bzw. die die Trennung verweigert. Der Entschluss, etwas zu ändern, ist ein heldenhaftes Unterfangen.
Tabak, Alkohol und Drogen sind Beispiele, die jeder leicht begreift. Aber das Gleiche gilt für alle schlechten Eigenschaften und Neigungen. Fehler, Laster, wie auch Krankheiten sind mit einem Eigenwillen ausgestattete Wesenheiten und leisten deshalb Widerstand.
Die Anstrengungen, die ihr auf der spirituellen Ebene unternehmt, sind niemals vergebens. Wenn es euch nur gelungen ist, bestimmte Schwächen zu besiegen, bestimmte Qualitäten zu erlangen, ist es schon, als hättet ihr in euch neue Muster, neue Prägungen gelegt und ihr werdet euch mit diesen letzten Prägungen wieder inkarnieren. Der neue physische Körper, den ihr bekommen werdet, wird ebenfalls nach dem von euch erreichten Grad der Vervollkommnung gestaltet sein, denn die Anstrengungen, die ihr gemacht habt, um eure feinstofflichen Körper zu reinigen, erzeugen Veränderungen bis in euren physischen Körper hinein: Er wird widerstandsfähiger und ist besser in der Lage, die Impulse der geistigen Welt zu empfangen und ihnen in allem, was ihr tut, einen konkreten Ausdruck zu verleihen.
Die einzige Arbeit, die für die Ewigkeit Früchte trägt, ist, aus seinem Körper einen Tempel des Herrn zu machen.
Die Menschen sind so sehr damit beschäftigt, ihre materiellen und körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen, dass sie nicht einmal mehr die innere Anwesenheit einer anderen Welt spüren; ihre Seele, ihr Geist sind für sie zu einem fremden Land geworden. Selbst wenn sie erwähnt werden, sind diese Worte für sie ohne Sinn, sie sagen ihnen nichts und so irren sie wie arme Unglückliche in dürren, unfruchtbaren Regionen herum…
Wer aus dieser elenden Situation herauskommen möchte, der muss sein Möglichstes tun, um die Natur seiner Bedürfnisse zu ändern und den Sinn seines Lebens in den subtilen Regionen der Seele und des Geistes zu suchen. Erst wenn man diese Regionen erreicht hat, lebt man endlich das wahre Leben. In einem seiner Lieder spricht der Meister Peter Deunov von einem wunderbaren Land in dem »die Bäche fließen, die Blumen erblühen, die Früchte reifen, ein Land, in dem die Vögel in himmlischer Harmonie singen, und in dem alle Menschen als Brüder leben«… Ihr sagt, dieses wunderbare Land sei unerreichbar… Nein, es befindet sich in der menschlichen Seele.
Wenn ihr sowohl den Glauben, als auch die Geduld in euch nährt, um die begonnene Arbeit fortzusetzen, so werdet ihr all eure spirituellen Sehnsüchte konkretisieren können. Jemand sagt: »Aber ich wünsche seit Jahren so viele Dinge, die sich nicht verwirklichen!« Das kommt daher, dass Sie nicht wissen, wie Sie arbeiten sollen oder dass Ihre Wünsche aus bestimmten Gründen noch nicht erhört werden können.
Wenn eure Wünsche die Gemeinschaft, die gesamte Menschheit betreffen, so sind sie ganz offensichtlich viel schwieriger zu verwirklichen, als wenn sie nur euch alleine betreffen. Ihr wünscht den Frieden in der Welt, aber wie viele Leute wünschen gleichzeitig den Krieg! Und so widersetzt sich ihr Wunsch natürlich der Verwirklichung eures Wunsches. Wenn man daher für den Frieden in der Welt, für das Wohl der ganzen Menschheit arbeiten möchte, so braucht es viel mehr Menschen, viel mehr Kräfte und viel mehr Zeit, denn dies ist ein gigantisches Unterfangen, das sehr viel Ausdauer erfordert. Aber es ist nicht unmöglich. Der Friede würde sich auf Erden verwirklichen, wenn zahlreiche spirituelle Bruderschaften in der Welt entstehen würden, um sich dieser Arbeit zu widmen.
