Wie viele von euch denken daran, sobald sie beginnen, Wut oder Gereiztheit zu verspüren, diese Energie zu kanalisieren, um Licht in ihre Stadt zu bringen oder das Rad ihrer Mühle anzutreiben (diese Bilder sind natürlich im übertragenen Sinne zu verstehen)? Die meisten lassen sich mitreißen und rühmen sich danach: »Ha! Diesem Dummkopf habe ich aber eine ordentliche Lektion erteilt!« In ihrer Wut haben sie natürlich gesagt, was sie dachten, aber vor allem haben sie ihre Energien ausgeschüttet und brauchen danach viel Zeit, um sie wiederzuerlangen.
Die Wut ist nur ein Beispiel. Es gibt so viele andere Fälle, wo man wertvolle Energien verschwendet! Nehmen wir nur die Verleumdung, die ein so weit verbreiteter Fehler ist.
Über andere zu sprechen, um sich über sie zu beklagen, sie zu kritisieren, sie zu beschuldigen, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen, macht das Gehirn und das Herz leer. Es liegt also an euch, euch zu studieren und herauszufinden, unter welchen Bedingungen eure Kräfte gehen oder kommen und die Ursachen für diesen Zustand zu analysieren.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Archive for Oktober, 2007
Von einer spirituellen Lehre dürft ihr nur Wahrheiten erwarten, die eine Veränderung in eurem Bewusstsein bewirken. Diese Veränderung wird zuerst winzig sein, aber in ihr sind Himmel und Erde enthalten.
Erinnert euch, was Jesus über das Senfkorn sagt: »Es ist das kleinste unter allen Samenkörnern, wenn es aber gewachsen ist, wird es sogar zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen, um in seinen Zweigen zu wohnen« (Mt 13,32). Es ist also nicht die Größe des Samenkorns, die zählt, sondern seine Stärke. Das Senfkorn kann als ein Gedanke oder Gefühl interpretiert werden, die dem Anschein nach nicht wahrnehmbar sind, die aber, wenn sie intensiv sind und wenn man ihnen die Bedingungen dafür gibt, großartige Verwirklichungen hervorbringen werden. »Die Vögel des Himmels kommen, um in seinen Zweigen zu wohnen«, sagt Jesus. Die Vögel sind die Geistwesen der unsichtbaren Welt: Sie kommen, um die Geschöpfe, die das spirituelle Leben gewählt haben, zu besuchen und sogar, um bei ihnen eine Wohnstätte zu finden. Wer würde sich bei einer solchen Anwesenheit nicht überglücklich fühlen?
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Es existiert überhaupt keine Trennung zwischen der niederen und der höheren Welt und das Samenkorn zeigt uns dies besonders klar. Wenn ihr ein Samenkorn in die Erde steckt, findet sofort eine Verbindung zwischen der Erde und dem Himmel statt: Die Sonne schickt dem Samenkorn ihr Licht und ihre Wärme, die Erde gibt ihm Feuchtigkeit und das Samenkorn beginnt zu wachsen. Ihr habt einfach nur ein Samenkorn in die Erde gesteckt, aber zur gleichen Zeit habt ihr ein Phänomen im Himmel ausgelöst.
Die gleichen Vorgänge ereignen sich auch in uns. Wir geben zum Beispiel ein Samenkorn (die Nahrung) in die Erde (unseren Magen) und sofort schickt der Himmel (der Kopf) Strömungen zu dieser aufgenommenen Nahrung, damit sie sich in Energien, Gefühle und Gedanken verwandelt. Sobald wir die Nahrung in unseren Magen geben, kommen von allen Punkten des Organismus Kräfte auf sie zu und machen sich an die Arbeit.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Wer hat schon Lust etwas zu tun, das er nicht liebt? Man muss eine Sache lieben, um den Drang zu verspüren, sich ihr zu nähern, sie anzuwenden oder mit ihr zu arbeiten. Wer Hunger hat, empfindet Liebe für die Nahrung. Er braucht niemanden, der ihm sagt, dass er das Essen in den Schränken oder Geschäften holen soll. Und für alle anderen Aktivitäten gilt das Gleiche. Wenn ihr das spirituelle Leben liebt, könnt ihr nicht tatenlos mit verschränkten Armen sitzen bleiben. Es treibt euch, diese Liebe zu erfüllen, ihr tut, was ihr könnt, um dieses Verlangen nach Reinheit und Licht zu stillen.
Es ist nützlich, einen Meister, einen Lehrer zu haben, der euch deutlich erklärt, worin das spirituelle Leben besteht, welche Methoden euch erlauben, euch auf es einzulassen und welche Wohltaten es euch bringen kann. Aber es ist an euch, es zu lieben und es zu leben. Der Meister gibt das Licht und der Schüler äußert sich durch sein Herz.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Man kann nicht leugnen, dass die meisten Menschen ein gutes Herz haben und sensibel sind, aber sie haben eine seltsame Art diese Sensibilität zu zeigen. Wenn sie im Kino oder im Theater ein verlassenes oder misshandeltes Kind sehen oder arme, verhungernde Menschen, vergießen sie leicht einige Tränen. Aber wenn sie beim Verlassen der Vorführung an einem Bettler vorüber gehen, dessen bedauernswerter Gesichtsausdruck ihre Blicke auf sich lenken und ihr Mitleid erwecken müsste, bemerken sie ihn nicht einmal. Und zu Hause stoßen sie dann ihre Kinder zur Seite und hören ihnen nicht zu, obwohl sie Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit bräuchten. Ja, das ist eigenartig, im Kino oder im Theater ist man sensibel, ist man gerührt, aber im Leben verschließt man vor dem gleichen Anblick viel zu oft seine Augen und sein Herz.
Die Menschen haben über die wahre Sensibilität und wie man sie ausdrücken soll noch viel zu lernen. Von der Sensibilität gegenüber der göttlichen Welt ganz zu schweigen! Wie viele sind fähig, vor der Schönheit der göttlichen Welt zu weinen und eine solch starke Empfindung zu erfahren, dass ihr ganzes Wesen erschüttert, gereinigt, regeneriert und neu geboren wird?
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Welch ein Unterschied besteht zwischen den Menschen! Und doch hat ihnen Gott bei ihrer Erschaffung die gleichen Strukturen gegeben, sie werden also von den gleichen Spannkräften bewegt. Aber beim Abstieg in die Materie haben sie unterschiedliche Wege eingeschlagen, sie haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die in ihnen unterschiedliche und sogar widersprüchliche Neigungen und Vorlieben erweckt haben. Und da jeder überzeugt ist, dass seine spezielle Wahrheit die einzige Wahrheit darstellt, ist unter ihnen fast kein Verständnis mehr möglich.
Um aufs Neue in Übereinstimmung zu gelangen, um die gleichen Werte zu verstehen und zu schätzen, müssen die Menschen innerlich wieder den aufsteigenden Weg wählen, der sie bis zum Gipfel führt. Dies ist das einzige Mittel, alle politischen, wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Probleme zu lösen. Denn, um die Probleme wirklich zu lösen, darf man nicht auf der Ebene bleiben, auf der sie sich stellen, sondern man muss eine innere Arbeit vollbringen, die es ermöglicht, sie von weiter oben zu betrachten.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Die Kenntnis der physischen Welt reicht nicht, um uns die Wahrheit zu enthüllen. Die physische Welt, das heißt, was man sehen, hören, berühren, messen und wiegen kann, ist nur eine Manifestation, eine entfernte Konsequenz der Welt der Wahrheit. Wir glauben, die Wahrheit zu begreifen, während wir nur ihr Gewand, eine Schale wahrnehmen.
Die Wahrheit ist eine Welt der Vollkommenheit, die sich auf den drei Ebenen, auf der spirituellen, psychischen und physischen Ebene, manifestiert: durch die Tugenden auf der spiri- tuellen Ebene, durch die Gedanken und Gefühle auf der psychischen Ebene und durch die Formen, Farben, Töne, usw. auf der physischen Ebene.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Die Eingeweihten, die Weisen können nicht alles, und sie wissen es. Darum befassen sie sich damit, nur die Wesen zu unterrichten, die auf der Evolutionsleiter, symbolisch gesehen, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen darstellen. Ein spiritueller Meister kann nichts mit denjenigen machen, die Steine geblieben sind, das ist nutzlos, denn sie müssen jetzt und auch später immer angetrieben werden; sie brauchen einen Schwung, damit sie sich bewegen. Sobald dieser Schwung abnimmt, bleiben sie stehen, bis sie von außen einen neuen Impuls bekommen.
Einige werden erstaunt und sogar empört sein: »Wie? Aber ein spiritueller Meister müsste genug Liebe haben, um sich um alle Wesen zu kümmern!« Leider, auch wenn seine Liebe noch so groß ist, ist er machtlos gegenüber denjenigen, die Steine sind und Steine bleiben wollen. Um ihnen zu helfen, wäre es zumindest notwendig, dass diese Steine den Wunsch hätten, Pflanzen zu werden.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Warum beschreiben die Alchimisten die Umwandlung der »Materie des großen Werkes« als eine Abfolge von Farben? Weil sie diese Abfolge im Leben der Pflanzen beobachtet haben. Nehmen wir Obstbäume: Mit einigen kleinen Abweichungen, denn die Natur ist reich an Unterschieden, durchlaufen sie immer in der gleichen Abfolge eine Reihe von Farben. Während des Winters sind die Bäume schwarz und kahl; im Frühling werden sie durch die Blüten weiß und durch die Blätter grün. Dann kommt der Sommer: Indem die Früchte reifen, werden sie gelb und rot. Und im Herbst ist es das Laub, das rot und golden wird. Mit dem Rot und dem Gold ist der Vorgang abgeschlossen, dies ist das Ende vom Zyklus – genau wie im alchimistischen Werk.
Nach dem Bild der Vegetation muss der Mensch innerlich alle Phasen des alchimistischen Werkes durchlaufen: Er stirbt und erlebt dann die Auferstehung, und wenn er aufersteht, tut er dies mit neuen Tugenden und Fähigkeiten – mit neuen Farben.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Stellt euch vor, man würde eines Tages den Christen der ganzen Welt verkünden: »Von nun an wird es keine Orte für Gottesdienste, keine Zeremonien, keinen Klerus, keine Statuen noch Bilder von Heiligen, überhaupt nichts Materielles und Äußerliches mehr geben: Ihr werdet Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten, so wie es Jesus prophezeit hat.« Das wäre für sie wie eine Leere, sie würden sich verloren fühlen, denn die meisten Menschen haben das Bedürfnis, sich an konkrete, greifbare Gegenstände zu klammern.
Nur ein außergewöhnlich entwickeltes Wesen kann in seinem Geist, in seiner Seele das Heiligtum finden, in das er eintreten kann, um sich an Gott zu wenden, um die Pracht des Himmels zu berühren, zu kosten, zu atmen. Natürlich ist eine solche Erweiterung des Bewusstseins wünschenswert. Für diejenigen, die fähig sind, bis dorthin zu gelangen, gibt es keine Grenzen mehr, denn die Welt der Seele und des Geistes ist von unerschöpflichem Reichtum. Sie können mit ihrer Arbeit bis ins Unendliche gehen und sich ihre Zukunft als Söhne und Töchter Gottes erbauen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
