Die Liebe ist wie ein fließendes Wasser, immer neu, immer in Bewegung, man kann sie nicht festhalten und man findet sie nie am selben Platz wieder. Es ist nur möglich, ihren Spuren zu folgen, indem man die Orte durchwandert, an denen sie vorbeigekommen ist und an denen sie einen Moment lang gelebt hat.
Ihr begegnet einem Mann oder einer Frau und während der paar Minuten in seiner oder ihrer Gegenwart erfüllt ihr Blick, ihr Ausdruck, ihr Lächeln euer Herz mit Liebe. Eine Woche oder auch nur einen Tag später trefft ihr diesen Mann oder diese Frau wieder und seid erstaunt, nichts mehr zu bekommen und nichts mehr zu empfinden. Die Liebe, die ihr so flüchtig wahrgenommen hattet, ist weitergezogen, sie ist nicht mehr da. Die Liebe ist eine zu subtile Quintessenz, als dass man sie anbinden könnte. Es ist an euch, euch auf die Suche nach ihr zu begeben.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Atmen ist Synonym für Leben. Aber das Leben darf nicht verwechselt werden, weder mit dem Atmen noch mit der Luft selbst. Es hat ein viel subtileres Element als Ursprung, ein Element, das viel feinstofflicher ist als die Luft und dem die Luft Nahrung ist: das Feuer. Ja, das Leben befindet sich viel weiter oben, im Feuer. Die Luft dient nur dazu, das Feuer zu unterhalten, denn wenn keine Luft da ist, erlischt das Feuer. Die Lungen ernähren nur das Feuer, das im Herzen brennt. Die erste Ursache des Lebens ist also das Feuer, und die Luft, sein Bruder, ernährt es. Mit dem letzen Atemzug erlischt das Feuer, der letzte Seufzer bringt es zum Erlöschen.
Nachdem die Luft das Feuer des Lebens unterhält, muss man dem Atmungsvorgang viel Aufmerksamkeit zuwenden. Gebt euch nicht damit zufrieden, zu denken, dass ja alles gut ist, nur weil ihr atmet. Nein, dieser Prozess ist bei den meisten Menschen geschwächt und behindert, selbst wenn sie atmen und lebendig sind. Deshalb müssen sie üben, mit der Luft zu arbeiten, um das Leben in ihrem Inneren anzuregen, zu reinigen und zu intensivieren.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Welche Vorstellung machen sich die Schüler im Allgemeinen von ihrem Meister? Ihrer Meinung nach muss er allwissend und allmächtig sein, fähig also, alles ohne Müdigkeit oder Leiden zu ertragen. Sehr wenige nur sind sich bewusst, welches Opfer ein Meister bringt, wenn er akzeptiert, unter den Menschen zu leben. Die Schüler gewinnen dabei, einen Meister zu haben, der ihnen das reine Wasser und Licht schenkt, dank derer sie sich ihrer Schwächen und Unvollkommenheiten entledigen. Aber für einen Meister, einen Heiligen, einen Eingeweihten bedeutet es das größte Opfer, wenn er sich bereit erklärt, sich um die Menschen zu kümmern, denn er muss unablässig etwas von sich selbst geben und was er gibt, wird nicht einmal immer geschätzt. Zum Glück ist er mit dem Himmel verbunden, von dem er das göttliche Leben empfängt. Ein Eingeweihter gibt nach unten und empfängt von oben. Die Schüler ihrerseits profitieren unablässig: Sie werden vernünftiger, reinigen und bessern sich. So viele Qualitäten erlangen sie dank dem Opfer ihres Meisters.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Inmitten eines brennenden Dornbusches offenbarte sich Gott Moses zum ersten Mal. Und in den meisten Religionen ist die mächtigste und am meisten verehrte Gottheit die des Feuers. Aber dieses in den Religionen und Kosmogonien zelebrierte Feuer ist nicht das physische Feuer, das wir kennen. Dieses Feuer, das wir anzünden, um Licht zu bekommen oder uns an seiner Flamme zu wärmen, ist nur ein Aspekt des universellen Feuers.
Es gibt zahlreiche Sorten von Feuer: Jenes, das im Herzen des Menschen das Leben unterhält, jenes, das an der Basis der Wirbelsäule schlummert, jenes der Sonne, jenes der Hölle, jenes das in den Mineralien, in den Metallen, den Wäldern, im Wasser, in der Luft usw. verborgen ist. Das Feuer selbst ist an sich weder hell noch heiß, es wird es nur unter bestimmten Bedingungen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Je nachdem, was euch auf den ersten Blick passt oder stört, bewertet ihr etwas als gut oder schlecht, aber diese instinktiven Reaktionen bringen euch nicht viel für eure Weiterentwicklung. Studiert die Kräfte und Situationen, die ihr gewöhnlich als schlecht betrachtet aufmerksamer, dann werdet ihr bemerken, dass sie vielleicht nicht so schlecht sind, wie ihr dachtet.
Die Vorstellungen, die sich die Menschen über das Böse gebildet haben, sind ihre eigenen Ideen, sie sind nicht universell gültig. Meistens werden sie ihnen ausschließlich von ihren Schwächen und Begrenzungen eingegeben. Wenn sie sich der Vollkommenheit annähern, werden sie ihre Meinung ändern. Wie die Eingeweihten, die jenseits des abschreckenden Anscheins des Bösen, der den Schwachen Angst einjagt, in ihm eine günstige Kraft oder gar einen Freund zu entdecken wissen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Es besteht eine Verbindung zwischen den vier Elementen, Erde, Wasser, Luft, Feuer, und den unterschiedlichen Naturreichen. Der Erde entsprechen die Mineralien, dem Wasser die Pflanzen, der Luft die Tiere und dem Feuer die Menschen. In dem Maß wie nun jedes einzelne Reich hierarchisch gegliedert ist, kann man sagen, dass bei den Mineralien die Edelsteine an der Spitze stehen, bei den Pflanzen die Blumen, bei den Tieren die Vögel und bei den Menschen die Eingeweihten. Edelsteine, Blumen, Vögel und Eingeweihte stellen in gewisser Weise die Quintessenz der vier Elemente dar.
Noch jenseits des Feuers, in der als Äther bezeichneten Region, leben und arbeiten die Engelshierarchien, jene ganze Stufenleiter von Wesen, die zwischen Erde und Himmel hinauf- und hinabsteigen, mit Gott an der Spitze. Diese Stufenleiter, auf der Engel hinauf- und hinabsteigen, hat Jakob im Traum gesehen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Die Zahl 1 ist die erste und einzige Zahl. Aber was stellen dann die 2, die 3 und die 4 dar? Teilungen der 1. Willkürlich teilt man die 1 in 2, 3, 4, 5, 6… und jede Teilung wird als neue Zahl gezeigt, dabei ist sie nur eine andere Darstellung der 1. Was ist die 2? Die polarisierte 1. Nehmt einen Magneten, er ist polarisiert, aber nicht getrennt, er ist eins und bleibt eins. Nirgends ist die 2 von der 1 getrennt. Jedes beliebige Objekt, selbst ein menschliches Wesen hat zwei Enden, zwei Pole, aber es ist immer Eins. Und die 3? Nun, das sind zwei Pole, die verbunden bleiben und aufeinander einwirken, um ein Wesen, eine Kraft oder einen Gegenstand zu erzeugen, der dann die 3 ist. Aber auch die 3 ist nicht getrennt von der 1. Und die 4, die 5 sind wieder neue Aspekte der Zahl 1. Einzeln existieren sie nicht, nur die 1 existiert.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Welchen Personen ihr auch begegnet, gebt euch Mühe, immer ihre gute Seite zu sehen. Natürlich wendet ihr ein, dass man in Fallen tappen und es sehr teuer bezahlen kann, wenn man sich Illusionen über seine Mitmenschen macht: Der Grund der menschlichen Natur sei schlecht, das sage selbst die Religion, warum solle man sich also etwas vormachen? Nun, ich antworte euch, dass euer Gedankengang unvollständig und ungenügend ist. Ihr seid bei dem Schlechten stehen geblieben und habt dabei vergessen, dass die Menschen Söhne und Töchter Gottes sind, die eine Seele und einen Geist haben. Selbst wenn es nicht dieser göttliche Funke ist, den man am häufigsten am Wirken sieht, so ist er doch da und wenn man ihm günstige Bedingungen bereitet, so ist er immer in der Lage sich zu offenbaren. Auf jeden Fall fördert man die Manifestation ihrer göttlichen Natur nicht dadurch, dass man ein für alle Mal beschließt, die Menschen seien schlecht.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Es ist sinnlos, dem Herrn vorzuwerfen, eure Gebete nicht zu erhören, solange ihr von Ihm verlangt, euch da aufzusuchen, wo ihr euch aufhaltet. Ihr ändert nichts an eurem Verhalten und an eurer Denkweise und bildet euch ein, der Herr werde kommen und euch aus der Hölle herausziehen, in die ihr euch verkrochen habt! Das ist genauso als würdet ihr tief in einem Keller oder in einer Höhle sitzen und die Sonne anflehen, euch Licht zu spenden; sie kann es nicht! Es ist an euch, da herauszukommen, um ihr Licht zu empfangen.
Was stellt der Keller oder die Höhle dar? Alle niederen Manifestationen eures Verstandes und eures Herzens, alle schlechten Angewohnheiten, auf die ihr nicht verzichten wollt; deshalb bleibt ihr in Kälte und Dunkelheit. Jene, die sich weigern, ihre alten Lebensgewohnheiten zu verlassen und gleichzeitig zum Herrn beten, Er möge sie retten, werden nicht mehr erhört, als würden sie die Sonne bitten, ihnen ihr Licht in die Tiefen einer Höhle zu schicken. Sie verschwenden ihre Zeit. Es ist an ihnen sich weiterzubewegen und auf den Herrn zuzugehen, indem sie sich entscheiden, ihre Haltung zu verbessern.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
Feinde zu haben, ist natürlich unangenehm, aber wenn ihr euch verteidigen wollt, so versucht, etwas in ihnen zu finden, das euch hilft, sie ein wenig zu lieben. Wenn ihr sie hasst, gibt es Risse in eurer Aura und durch diese Risse entsteht ein Kontakt mit allem Negativen in ihnen. Ihr empfangt auf diese Weise schädliche Elemente, die, einmal in euch eingedrungen, beginnen, euch zu zerstören.
Aus diesem Grund sagte Jesus: »Liebet eure Feinde…« (Mt 5,44). Jesus kannte diese großen Gesetze, er wusste, dass Hass verletzlich macht. Um sich zu verteidigen, muss man sich in die uneinnehmbare Festung der göttlichen Liebe begeben. Die Liebe ist der größte Schutz gegen Feinde. Seine Feinde lieben ist eines der am schwierigsten zu verwirklichenden Dinge, aber es ist die einzige wirksame Waffe.
Omraam Mikhaël Aïvanhov