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“Im Buch des Propheten Jeremias sagt Gott: »Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein« (Jer 31,33). Und wenn Gott sein Gesetz in das Herz der Menschen geschrieben hat, bedeutet das, dass jeder in sich selbst das Licht besitzt, das er benötigt, um zu verstehen, was gut, gerecht und wahr ist und um es zu verwirklichen.
Natürlich wäre es nicht vernünftig, die Menschen sich selbst zu überlassen. Die Mehrheit unter ihnen ist noch nicht bereit, in ihrem Herzen die göttliche Schrift zu entziffern. Um dieses Gesetz, das Gott in sein Herz geschrieben hat, richtig lesen zu können, muss jeder beginnen, in sich selbst Ordnung, Harmonie und Reinheit einzuführen, sonst wird er nur Trugbilder und unklare Wünsche lesen. Das müsste die Rolle der Religionen sein: Die Menschen darauf vorzubereiten, das Gesetz Gottes zu entdecken, das in ihnen geschrieben steht, damit sie sich, indem sie dieses Gesetz entziffern, von allen dunklen Kräften befreien, die sie bewohnen und die sie unablässig unterdrücken. Aber haben die Religionen wirklich die Befreiung des Menschen als Hauptanliegen?”
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Wie viele Menschen sind zu mir gekommen, um sich zu beklagen, indem sie sagten: »Warum bin ich nur in diesem Zustand? Warum komme ich da nicht heraus?« Und bei einigen ist es mir passiert, dass ich antwortete: »Das ist ganz einfach. Die Ursache ist ihr zu großer Glaube.« Und da sie mich mit Erstaunen anschauten, erklärte ich ihnen: »Sie glauben zu sehr an ihre Intelligenz, an ihre Art zu denken, an ihre Berechnungen, und das bringt sie zu Fall.« Oh ja, wenn die Menschen ein wenig mehr an sich selbst zweifeln würden, würden sie sicher ein besseres Unterscheidungsvermögen an den Tag legen und sie würden sich nicht in unmögliche Situationen bringen. Um Erfolg zu haben, muss man selbstsicher sein, aber manchmal ist es auch gut zu zweifeln.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Die Geschichte hat gezeigt, auf welche Weise so genannte Christen, die angeblich von Liebe für Gott und sogar von Nächstenliebe für die Menschen erfüllt waren, die edelsten und reinsten Menschen verfolgt, eingesperrt und verbrannt haben; während andere Personen, die vielleicht nicht so viel Liebe hatten, Toleranz, Respekt und Menschlichkeit an den Tag legten. Warum? Weil sie intelligent waren. Ihr werdet sagen: »Aber die Leute, die einen entwickelten Intellekt haben, haben auch einen entwickelten Sinn für Kritik, und im Allgemeinen fehlt es ihnen an Nachsicht, sie können böse und sogar grausam sein.« Nun, das heißt, dass es ihnen an wahrhafter Intelligenz mangelt, und der Intellekt ist eben nicht gleichbedeutend mit wahrhafter Intelligenz. Je mehr man sein Blickfeld erweitert, umso mehr versteht man in Wirklichkeit die Wesen und Dinge und umso nachsichtiger wird man.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Die Einweihung ist eine Arbeit der Erinnerung. Die Tätigkeit des Schülers einer Einweihungsschule hat nur Sinn, wenn er beginnt danach zu trachten, sich an die lichtvolle Welt zu erinnern, von der er herabgestiegen ist und zu der er eines Tages zurückkehren soll. Dank der Wahrheiten und der guten Einflüsse, die er erfährt und mit Hilfe der lichtvollen Wesenheiten der unsichtbaren Welt, findet er in sich die Spuren dieses verlorenen Paradieses wieder und das ist für ihn die größte Segnung. Aber er muss sich auch an alle Leiden erinnern, die er ertragen hat, und sogar an alle Fehler, die er begangen hat, an alle Schulden, die er gemacht hat, denn er wird eines Tages alle Wesen treffen müssen, die er geschädigt hat, um sich mit ihnen zu versöhnen und seine Fehler wiedergutzumachen, um sein Karma aufzulösen. Diese Aufgabe erwartet den Schüler, diese Aufgabe erwartet uns alle. Nur der, dem es gelungen ist, alle begangenen Fehler zu korrigieren und das Schlechte, das er getan hat, wiedergutzumachen, wird endgültig in die Versammlung der Söhne Gottes aufgenommen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Für die meisten, die eines Tages beschließen diesen Weg zu gehen, bleibt die Spiritualität eine unklare Sehnsucht ohne feste Basis. Sie lassen sich ohne die geringste Vorbereitung darauf ein und denken dabei, es genüge, den Wunsch danach zu verspüren, damit all ihre inneren Schwierigkeiten überwunden werden, damit sich ihnen die unsichtbare Welt enthüllt und die Engel kommen, um ihnen zu dienen. Aber nein, unglücklicherweise nicht! Wer wirklich auf dem spirituellen Weg vorwärts kommen will, beginnt mit der Erkenntnis, dass er sich jahrelang vorbereiten muss, und dass er dann vielleicht eines Tages mit einem Schlag ans Ziel gelangen wird. Die Vorbereitung ist im spirituellen Bereich das Längste. Doch sehr wenige haben die Geduld sich vorzubereiten und sie bilden sich ein, das spirituelle Leben zu leben, während sie sich in ihrem Inneren weiterhin mit allen möglichen Dingen beschäftigen. Natürlich meditieren sie von Zeit zu Zeit ein bisschen – angeblich – und das reicht ihnen; ihnen vielleicht, ja, aber in Wirklichkeit reicht das nicht. Bevor man innerlich Fortschritte machen kann, müssen einige Bedingungen erfüllt werden.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Ihr könnt euer inneres Leben nur nähren, wenn ihr euch all dessen bewusst werdet, was um euch herum existiert. Wenn ihr also in die Natur geht, denkt daran, euch an die Geister zu wenden, die sie bewohnen, wie auch an die Engel der vier Elemente. Sagt ihnen: »Seid gesegnet, Engel der Erde, des Wassers, der Luft und des Feuers. Oh ihr treuen Diener Gottes, seid gesegnet. Und ihr, Kinder der Natur, Geister, die ihr die Höhlen bewohnt, die Wälder, die Berge, die Meere, die Seen, die Flüsse, die Winde, die Wolken, die Sonne, seid auch ihr gesegnet.« Dann kommen von allen Seiten Mengen von Wesen herbeigeeilt, um euch zuzuhören. Sie erzählen sich untereinander, dass da endlich jemand ist, der ihre Existenz anerkennt und der sie segnet. Sie freuen sich, sie tanzen, sie singen und auch ihr empfangt im Gegenzug etwas, das euch lebendiger und stärker macht.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Bewahrt euren Glauben an das Gute. Auf diese Weise lernt ihr die Prüfungen zu ertragen, an ihnen zu arbeiten und ihre Segnungen zu empfangen. Ihr werdet dann wie das tiefe Tal mitten in den Bergen: Alle Gewässer, die vom Gipfel herabstürzen, kommen, um es zu bewässern, sie verwandeln es in eine fruchtbare Erde, wo die besten Obstbäume wachsen. Das Leiden zwingt den Menschen, in sich selbst hinabzusteigen. Da alle anderen Auswege abgeschnitten sind, ist er gezwungen, die Kräfte der Seele und des Geistes einzuberufen. Und wenn ihm das gelingt, dann wird er, anstatt zu stöhnen und Schreie der Auflehnung von sich zu geben, einen herrlichen Duft ausströmen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Das Leben kann mit einem Strom verglichen werden, der von der göttlichen Quelle hinabfließt. Beim Hinabfließen durchquert er diese Regionen, die die Christen Engelshierarchien nennen und die Kabbalisten Sephiroth. Aber das aus Gott entsprungene Leben endet nicht dort, sondern umfasst noch weiter unten auch jene Regionen, die die Christen »Hölle« nennen und die Kabbalisten »Kliphoth« (das heißt Schalen), wo finstere Geschöpfe leben. Diese Geschöpfe erhalten das Leben von Gott und ernähren sich auch vom Leben Gottes. Aber welche Nahrung erhalten sie? Auf alle Fälle nicht gleiche wie sie oben die engelhaften Wesenheiten erhalten. Sie müssen sich mit Schalen und Abfällen zufrieden geben, die die über ihnen stehenden Geschöpfe wegwerfen. Natürlich ist das nicht großartig, aber in diesen Schalen sind noch einige Teilchen dieses Lebens übrig, das von ganz oben gekommen ist. Denn man muss es ohne Unterlass wiederholen: Kein Leben kann außerhalb von Gott existieren.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Man sagt »sich opfern«, so, als ob es darum gehen würde, etwas aufzugeben, etwas zu verlieren. Wenn man ein Opfer bringt, dann opfert man nicht »sich«, man opfert etwas Unnützes, etwas Schädliches, etwas Niedriges, um etwas Großes, Mächtiges und Wertvolles zu erhalten. Wenn man nicht das opfert, was in einem niedrig ist, um das Höherstehende leben zu lassen, dann wird man zwangsläufig das Beste opfern, was man besitzt und die gröbsten Instinkte werden daraus den Nutzen ziehen. Es ist unmöglich, diesem Gesetz zu entgehen: Unsere höhere Natur kann nur leben, wenn wir ihr unsere niedere Natur opfern; und das, was für die eine das Leben ist, ist der Tod für die andere. Und so muss man die Worte von Jesus verstehen: »Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden« (Mt 16,25). Diese Worte zu verstehen bedeutet auch, und vor allem, sie verwirklichen zu wollen.
Omraam Mikhaël Aïvanhov
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Wie kommt es, dass die Steine, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen nicht auf der gleichen Stufe der Evolution stehen? Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen ist, dass sie nicht den gleichen Grad an Empfindungsvermögen haben. Denn die Evolution ist proportional zum Empfindungsvermögen, das heißt zur Fähigkeit wahrzunehmen und zu reagieren. Die Pflanzen sind empfindungsfähiger als die Steine, die Tiere empfindungsfähiger als die Pflanzen und die Menschen empfindungsfähiger als die Tiere. Aber die Kette der Wesen hört hier nicht auf: Jenseits der Menschen gibt es die Engel, die Erzengel, die Gottheiten… Es besteht eine regelrechte Einstufung von Geschöpfen, die immer empfindungsfähiger sind, bis hin zu Gott selbst. Gott ist allwissend und allmächtig, denn Er besitzt das absolute Empfindungsvermögen. Ja, das sind die wahren Dimensionen des Empfindungsvermögens, und das einzige wahrhaft empfindungsfähige Wesen ist also Gott selbst.
Omraam Mikhaël Aïvanhov